Das Gift wirkte weiter.
Im sowjetischen Herrschaftsbereich wurde Antisemitismus offiziell geleugnet; der Krieg gegen Deutschland galt als Kampf „gegen den Faschismus“. Tatsächlich verschwand der staatlich organisierte Antisemitismus nach 1945 jedoch keineswegs.
Unter der von Gewalt und Repression geprägten Herrschaft Stalins richteten sich politische Säuberungen – insbesondere nach dem Bruch mit Jugoslawien – in der Sowjetunion und in den neu gegründeten „Volksdemokratien“ gegen sogenannte Nationalkommunisten sowie gegen jüdische Intellektuelle, die als „Kosmopoliten“ diffamiert wurden. In Schauprozessen wie dem Slánský-Prozess wurden jüdische Kommunisten zu langen Haftstrafen und zum Tode verurteilt. Auch die Kampagne gegen die angebliche „Verschwörung jüdischer Ärzte“ zeugt von der antisemitischen Ausrichtung staatlicher Politik in dieser Phase.
Mit Stalins Tod endeten die offen geführten Kampagnen zunächst. Antisemitische Ressentiments blieben jedoch Bestandteil politischer Instrumentalisierung. Insbesondere im Kontext des Nahostkonflikts griffen die kommunistischen Regime auf antizionistische Propaganda zurück, die vielfach traditionelle antisemitische Stereotype bediente. Einen Höhepunkt erreichte diese Entwicklung nach dem Sechstagekrieg 1967, unter anderem in der offen antisemitischen Kampagne der polnischen Parteiführung im Jahr 1968.
Dr. Ivo Bock war langjähriger wissenschaftlicher Mitarbeiter der Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen.
Mittwoch, 18. Februar 2026, 19:00 Uhr
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